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  • POLLUX, Installation bei nmd Dresden, 7 x 2,30 Meter, 2004
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    POLLUX

    Standort: nmd Dresden,

    Cibachrome-Dia vor Lichtwand, 7 x 2,30  Meter, Inbetriebnahme 2004, permanent.

    Kurzbeschreibung:

    Im Foyer einer Firma für Licht am Bau ist ein wandfüllender, 7 Meter langer Leuchtkasten so gegenüber dem Eingang angebracht, dass der Besucher beim Betreten den Eindruck gewinnt, er könnte durch eine Glaswand aus dem Haus auf die Stadt hinab blicken.

    Inhaltliche Beschreibung

    Der Inhaber der Dresdner Firma nmd, deren Gebäude in der sogenannten Jahrhundertflut zerstört worden waren, bat mich, den Wiederaufbau seiner Firmengebäude mit Kunst zu „krönen“. Eine „schöne Dresdner Landschaft“ sollte nach seinem Wunsch die Lobby erleuchten.

    Als Kind hatte er die Bombardierung Dresdens im Keller eben dieses Hauses erlebt. Gleich daneben steht noch sein Elternhaus – Einschusslöcher inklusive. Die Fensterrahmen waren noch die alten aus dem Krieg, sie zerfielen wie das zerschossene Gemäuer.  Die Kriegsruine war so präsent wie der Neubau nebenan.

    Den Auftrag hätte ich nur angenommen, wenn es möglich gewesen wäre, Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden. Nach den überaus emotionalen Berichten meines Auftraggebers von seiner Kriegskindheit kam mir das wie ein Sakrileg vor. Ich lehnte ab.

    Nach 2 Wochen rief er an: ob ich mir vorstellen könnte, Teile seines Elternhauses ins Bild mit einzubauen? Und es blieb nicht bei den Ruinenfragmenten, die ich jetzt miteinbeziehen konnte. Während der Vorbereitungen stand die „Krönung“ der wieder aufgebauten Frauenkirche durch die kupferne Kuppel an, die von der britischen Regierung als Wiedergutmachung für das Bombardement gespendet und feierlich auf die Kirche aufgesetzt wurde. Für meinen Auftraggeber ein bewegender Augenblick. Er verschaffte mir Zugang zum höchsten Haus der Stadt und platzierte sich vor der Frauenkirche. Von dort gab er mir per Handy die Informationen, die ich brauchte, um in dem Moment auf den Auslöser zu drücken, in dem die Kuppel am Haken eines Krans auf die Kirche hinunter schwebte.

    Er hat dafür gesorgt, dass in seiner Firma eine Szene leuchtet, in der seine „schöne Dresdner Landschaft“ mit ihrer Geschichte verbunden ist.

    Installationsfotos:  © Alexander Vejnovic

 

POLLUX

Eine “schöne Landschaft” wollte der Chef der Dresdner Firma nmd für seinen neuen Firmensitz, der 2002 bei der Jahrhundertflut untergegangen war. Nach dem Wiederaufbau sollte sie in der Lobby leuchten.

Kunst am Bau mmd

Ich bat den alten Herrn, einen Tag mit mir in Dresden zu verbringen, was ihn wohl zunächst verblüfft und dann gefreut hat. Er hat mir die Reste vom alten Firmensitz und sein Elternhaus nebenan gezeigt, die Schule gegenüber, in die er als Junge ging, und den Keller unter dem Neubau. Im Elternhaus klafften die Einschusslöcher aus dem letzten Krieg, im Keller hatte mein Auftraggeber das Bombardement der Engländer überlebt, und in der Schule war nach der Bombennacht der Platz neben ihm frei, weil sein Freund verbrannt war. Wie hätte ich an einen Ort mit dieser Geschichte “eine schöne Landschaft” pflanzen sollen?

Nach wochenlangem Überlegen beschloss ich, den Auftrag abzulehnen, es sei denn, ich dürfte die Geschichte – z.B. in Gestalt des zerschossenen Elternhauses – mit einbauen. Darauf der Firmenchef am Telefon: “Ich habe mich nicht getraut, Sie danach zu fragen.”

Für den ersten Teil der Arbeit habe ich das Elternhaus photographiert, für den zweiten am “Krönungs-Tag” der Frauenkirche mit Kamera, Handy und Mitarbeitern das höchste Haus der Stadt bestiegen. Die Kuppel der Kirche, die beim Angriff der Engländer zerstört worden war, kam als Geschenk aus England zurück und sollte an diesem Tag feierlich aufgesetzt werden. Diese Szene, verbunden mit dem Elternhaus, wollte ich als leuchtendes Panorama in die Firmen- Lobby einbauen. Natürlich mit blauem Himmel.

Vor der Kirche hatte ich den Firmenchef mit Telefon postiert, der wiederum mit dem leitenden Ingenieur der “Krönung” verbunden war, so dass wir auf dem Hochhaus erfahren konnten, wann die Kuppel, die bereits am Haken eines Krans über der Kirche schwebte, aufgesetzt wird. Je nach Windgeschwindigkeit an der Kirche konnte es ganz schnell gehen oder noch Stunden dauern. Und ich wollte genau den Augenblick erwischen, an dem die Krone ganz knapp vor dem Aufsetzen über dem Kirchturm schwebt.

Kuppel der Frauenkirche Dresden

Über uns zog ein Gewitter auf, wir hatten Mühe, den ersten Sturmböen standzuhalten, einer hielt die Kamera fest, der andere fragte beim Firmenchef an der Kirche nach, wie lang es noch dauert. Der verstand unsere Ungeduld nicht: über der Kirche war noch blauer Himmel. Die ersten fetten Regentropfen klatschten auf die Kamera, ein Mitarbeiter hielt einen provisorischen Regenschirm darüber, der andere telefonierte, und ich hatte den Finger am Auslöser.

Allerdings war in dem Augenblick, als die Kuppel endlich die letzten Meter auf die Kirche niederschwebte, auch dort schon dunkelgrauer Himmel, so dass ich für die “schöne Landschaft” auch den Himmel besänftigen musste.

Photomontage als Cibachrome-Dia vor Lichtwand

Photomontage als Cibachrome-Dia vor Lichtwand, 2,30 x 7 Meter