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  • KEEP IN VIEW, Standort: Albertinum, Staatl. Kunstsammlungen Dresden, Inbetriebnahme 2002, permanent.

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    KEEP IN VIEW, Standort: Albertinum, Staatl. Kunstsammlungen Dresden, Inbetriebnahme 2002, permanent.

    6 Leucht-Transparente, je ca. 2,20 x 3,50 Meter, hochauflösender Grossdruck, in dem Baukörper angepassten Rahmen montiert und ins Mauerwerk eingebaut

    Inhaltliche Beschreibung:

    Bei „Keep in View“ wird die Korrespondenz zwischen innen und außen ein erstes Mal aufgegriffen. Sechs Porträts aus Gemälden der Galerie Neue Meister wurden digital bearbeitet und als Lichtkästen in die Außenarchitektur des Gebäudes, in den Eckfeldern der Geschosszone unterhalb der Dachkonstruktion eingefügt. Bei Tag und Nacht leuchten aus den Schmuckfassaden des mächtigen Museumsgebäudes in luftiger Höhe die Blicke der porträtierten Menschen. Mit dem bildhaften Transfer der Porträtszenen der im Inneren beherbergten Gemälde nach außen wird das Spiel mit dem „nach außen Zeigen des im Inneren Geborgenen“ eröffnet Dass im Jahr der Entstehung der Lichtinstallation der Auszug der Sammlung des Grünen Gewölbes aus dem Gebäude bereits vorhersehbar war, gibt der Arbeit auch einen visionären Zug. Die Bearbeitung der Bilder zielte auf die Ambivalenz der Ebenen. Die Aufnahme des ausgewählten Porträts wurde mit einer Aufnahme der realen äußeren Gebäudesituation, an der sie zur Präsentation gebracht werden sollte, verbunden. Dies erfolgte durch die Einarbeitung von Architekturelementen in die Aufnahmen der gemalten Porträts der Galerie. Um dies gestalterisch zu optimieren, wurden die Positionen an der Architektur von einer Hebebuühne aus vorab fotografiert. Die weitere Beschreibung der Bearbeitung der Szenenvorlagen durch Elisabeth Brockmann aber macht ein zweites Moment deutlich. Die Bearbeitung der Porträts in ihrem szenischen Umfeld richtete sich darauf, den Dargestellten durch die Illumination als eine Person vorzustellen, die aus dem Haus herausblickt. Schon hier ging es der Künstlerin nicht nur darum, dem Betrachter über eine Fassadenprojektion vorzustellen, was ihn im Inneren erwartet. Nicht weniger entscheidend war auch schon hier der Gedanke von der Umkehrung der Betrachtung des Betrachters als einem, der selbst zum Gegenstand der Betrachtung wird….

    Hans-Jürgen Buderer

    Quelle: Mannheimer Geschichtsblätter, 13-14/2006-07

    Installationsfotos:  © Alexander Vejnovic

 

ALBERTINUM

Der Chef des Dresdner Albertinums war Herr über ein finsteres Gebäude. Semper-Oper, Zwinger, alles rundherum war angestrahlt, nur das Albertinum mit seinen funkelnden Schätzen der Gemäldegalerie und des Grünen Gewölbes verschwand am Abend in der Dunkelheit.

Das Albertinum

Mein Auftrag hiess: das Albertinum soll leuchten. Aber nicht dekorativ angestrahlt werden! Beim ersten Besuch führte mich der Hausherr durchs Museum und zeigte mir mit enthusiastischem Stolz “seine” Bilder. Seine Begeisterung wirkte ansteckend. Ich wollte Teile dieses Reichtums als Lockvögel benutzen, um Passanten zur Neugier zu verführen.
Aber wie verführt man unauffällig? Indem man sich zuerst selbst verführen lässt. Ich photographierte alle Porträts der Gemäldesammlung und achtete darauf, welche mich beim Blick durch die Kamera berührten. Das passierte dann, wenn sie mich unvermittelt anschauten. Dieses “in den Blick genommen werden” hatte etwas Betörendes, und das wollte ich nach draussen übertragen. Die Blicke sollten einerseits unvermittelt und direkt sein, andererseits aber auch etwas Schamhaftes haben, wie beim Spanner hinter der Hecke, oder dem Blick einer Frau, halb verborgen hinter dem Fächer.

Ich habe 6 Portraits ausgesucht und sie von aussen im Baukörper “versenkt”.

Hoch oben unter dem Dachfirst sollten die Bildnisse leuchten, unauffällig eingebettet ins Gemäuer, als wären sie schon immer ein Teil davon gewesen.

Albertinum-02

Wir haben also die Strassen rundherum sperren lassen, sind mit dem Kran angerückt und haben die steinernen Kassetten des Renaissance-Gebäudes, in die die leuchtenden Motive später eingesetzt werden sollten, frontal photographiert.

Am Rechner habe ich die Porträts mit dem Gebäudeteil, in dem sie erscheinen sollten, zusammenmontiert, so dass sich die beiden Bilder durchdrangen, und das Ganze den Kassettenmasßen angepasst.

Diese Doppelbildnisse aus Haus und Mensch haben wir schliesslich in hochauflösendem Grossformatdruck auf transluzente Spanntücher übertragen, sie auf Spezialrahmen montiert und mit Lichtmodulen hinterlegt. Währenddessen wurden auf dem Dach eine Ringleitung verlegt, die Strassensperrungen für die Montagearbeiten organisiert, auf gutes Wetter gewartet (Wind und Eis sind in solchen Fällen tödlich) und am Ende die Leuchtschirme mittels Kran und schwindelfreien Technikern in den Baukörper eingesetzt.

Der Denkmalschutz hatte zwei Jahre nach der Installation Einwände, die es zu überprüfen galt, weshalb die Leuchtschirme zunächst wieder demontiert werden mussten und im Keller verschwanden.

Aber die Verführungstechnik war erfolgreich: Die Dresdner hatten inzwischen eine Beziehung zu den leuchtenden Museums-Bewohnern – sei es, weil ein in der DDR verfemter Maler endlich an exponierter Stelle strahlen durfte,

Albertinum-03

sei es, weil man an trüben Wintertagen ein Stück Himmel sehen konnte:

Albertinum-04

2004 konnten die vorübergehend eingelagerten Leuchtkästen den Keller wieder verlassen. Seither senden sie leuchtende Blicke aus dem altehrwürdigen Gemäuer dieses grandiosen Museums.